Der Essensia-Prozess

Ich war gerade 20 geworden und auf dem besten Wege, mein Leben in den Abgrund zu fahren. Nach dem frühen Tod meines Vaters fühlte ich mich in dieser Welt einfach nicht mehr wohl. Mein Zufluchtsort war auf irgendwelchen geistigen Ebenen, auf die ich mich beamte. Diese Spiritualität war einfach immer da, ich konnte mich dort verstecken. Diesen Zustand kannte ich nach einiger Zeit so gut, dass er mir realer vorkam als das Leben im Hier und Jetzt. Die Sehn- sucht war so groß, dass es mich immer öfter und immer weiter „hinüber“ zog. Dort fühlte ich mich zu Hause, dort ging es mir besser – dachte ich zumindest. Doch eigentlich war ich weit weg von mir selbst und wusste gar nicht mehr, wer ich war und was ich
wollte.

Diese Flucht vor der Realität zehrte an meinen Kräften, und mein Körper machte dieses Spiel nicht mehr mit: Ich erlitt einen Zusammenbruch. Er rüttelte mich wach. Diese Erfahrung und die darauffolgenden Jahre, in denen ich als Coach viele Menschen zu ihrem wahren Ich begleitete, lehrten mich eines: Spiritualität lässt sich wunderbar im Alltag leben und wird noch stärker, wenn die Menschen aus der Alltagstrance aufwachen. Damit möglichst viele Menschen den Zugang zu ihrem versteckten Potenzial und ihrer wahren Berufung finden, entwickelte ich eine Methode, die es in sieben Schritten ermöglicht, Spiritualität zuzulassen, zugleich die Nähe zu sich selbst nicht zu verlieren und aus dieser Kraft heraus, die eigene Lebensaufgabe zu finden.

Die Reise zu sich selbst

Ballast abwerfen und neue Energie tanken. Wer seine eigene Lebensaufgabe auf Erden gefunden hat, kann seine neu erworbene Kraft – auch in der Spiritualität
– noch besser einsetzen, um anderen zu helfen. Anstatt sich ausschließlich in anderen Sphären zu verlieren, lässt sie sich viel wirkungsvoller im Alltag leben. Jeden Tag. Jede Minute.

Reisen Sie in sieben Etappen zu Ihrem wahren Ich:

Schritt 1: Aufwachen – werden Sie zum Beobachter

Um die Lebensaufgabe (wieder) zu finden, gilt es aus der Alltagstrance aufzuwachen und aus dieser Scheinwelt, die einen echten Kontakt zur Realität und zu sich selbst kaum mehr möglich macht, auszubrechen. Dazu ist nicht unbedingt ein schlimmes Ereignis wie bei mir nötig. Damit Sie aus dem Schlafzustand auf- wachen, gehen Sie als erstes in die Beobachterposition und spüren Sie in sich hinein:

Um was geht es wirklich? Und was hat dies mit mir und meiner Geschichte zu tun?

Dies sind sicherlich die zwei wichtigsten Fragen, die Sie sich in jeder Situation stellen können. Eine weitere Frage könnte sein: Was möchte Ihnen Ihre Seele sagen? Achten Sie auf die Botschaften: Das können Schmerzen physischer Art sein oder auch ein tiefer liegendes Gefühl der Unzufriedenheit. Mit diesen Symptomen drückt Ihre Seele aus, dass Sie gerade nicht Ihr wahres Selbst leben. Sie haben sich von Ihrem wahren Ich, von Ihrer Lebensaufgabe entfernt.

Kommen Sie Ihrer Seele wieder näher. Der Weg dahin führt durch Ihr Unterbewusstsein – dem einzigen Schlüssel zum Aufwachen. Meditation und Integratives Heilatmen helfen zum Beispiel bei der Befreiung Ihrer Seele. In diesem ersten Schritt machen Sie sich bewusst, dass Sie etwas in Ihrem Leben ändern müssen und wollen. Wenn Sie erwachen, wird es sich wie eine Wiedergeburt anfühlen. Als ob Sie Ihr Leben nun frisch gewaschen und gebügelt erneut anziehen.

Schritt 2: Integrieren – werden Sie ganz

Jetzt ist ihr Blick frei, um Ihr ganzes Ich zu erkennen. Viele Menschen haben sich allerdings angewöhnt, ihre Schattenseiten zu verleugnen und sich diese sogar aktiv zu verbieten. Wir alle sind dahingehend erzogen, dass wir das Gute im Menschen begrüßen, den Rest aber verbannen wollen. So entsteht eine große Leere. Denn sowohl Licht als auch Schatten sind Teil einer jeden Persönlichkeit.

„Du bist viele“ sage ich meinen Seminarteilnehmern immer wieder. Vielleicht nicht nur die Kreative, der Macher und die Liebende, sondern und vor allem auch: die Verkopfte, der Trotzige und die Ängstliche. Öffnen Sie sich eben für diese dunklere Seite Ihrer Persönlichkeit, nehmen Sie Ihre vermeintlich negativen Teile an. Schließen Sie auch die Schattenanteile Ihrer Persönlichkeit in den Arm und ins Herz, denn Sie sind ein wertvoller Teil Ihres wahren Ichs und bieten so viele bisher vergrabene Entwicklungschancen. Entdecken Sie, dass mehr Potenzial in Ihnen steckt.

Gerade in der spirituellen Szene bin ich vielen Menschen begegnet, die ihre Schattenseiten nicht integriert haben. Sie zahlen meist einen hohen Preis, denn dies kann sich in körperlichen Symptomen, in Beziehungsproblemen oder in immer wiederkehrenden finanziellen Themen zeigen.

Schritt 3: Heilen – heben Sie die Steine

Nun wissen Sie, dass Sie etwas ändern wollen und haben sich in Ihrer Ganzheit akzeptiert. Jetzt können Sie sich dem Heilen, vor allem der Heilung der Vergangenheit, widmen. Stellen Sie sich hierfür Ihre Lebensgeschichte als Fluss vor. Direkt nach der Quelle, Ihrer Geburt, ist Ihr Fluss breit, fließt schnell und ist energiegeladen.

Doch jedes Erlebnis und Trauma in Ihrem Leben hat einen Stein in diesem Flussbett hinterlassen. Mit der Zeit ist Ihr Lebensfluss gestört, Energie geht verloren. Spüren Sie die Steine Ihres Leidens mit Hilfe Ihres Unterbewusstseins auf. Betrachten Sie jeden einzel- nen, und heben Sie die Steine aus Ihrem Lebensfluss – damit dieser wieder energiegeladen strömen kann. Nutzen Sie dafür nicht nur Ihren Spiritualkörper, sondern auch Ihren physischen Körper, Mental- und Emotionalkörper, um die Geschehnisse Ihrer Vergangenheit aufzuarbeiten. Dies ist ein aktiver Prozess, den Sie nur selbst durchführen können. Diese eigentliche Heilung kann Ihnen keiner abnehmen. Für eine ganzheitliche Heilung braucht es deshalb alle vier Körper!

Schritt 4: Sein – atmen Sie durch

Der Ballast der Vergangenheit ist inzwischen ab- geladen und die Lebensenergie hat wieder an Kraft gewonnen. Nun ist Zeit zum Durchatmen und für Windstille. Denn auf diesem spirituellen Pfad braucht es auch Abschnitte der Leere und des Raumes. Für diesen Zustand gibt es in der spirituellen Welt viele Begriffe. Ich nenne ihn das SEIN – den ursprünglichen Zustand eines jeden Lebewesens. Das Sein ist ein Zustand der Verbundenheit und Freiheit zugleich: Sie sind mit allem und sich selbst verbunden, frei von Bedrängnissen der Vergangenheit und von Ängsten vor der Zukunft. Dies ist der Übergang zu Größerem. Treten Sie ein in die Stille, lassen diese auf sich wirken und schaffen Sie Raum für Neues.

Schritt 5: Öffnen – betreten Sie Neuland

Richten Sie Ihre Energie nach vorne und tauchen Sie in die Welt der Möglichkeiten ein. Wenn Sie nun erst mal ein Gefühl der Ratlosigkeit empfinden, wohin die Reise gehen soll, ist das völlig normal. Was für Kinder selbstverständlich erscheint, geht im Laufe des Erwachsenenlebens verloren: Kreativ zu sein und die vielen wunderbaren Möglichkeiten, die sich vor Ihnen erstrecken, überhaupt wahrzunehmen. Doch das Potenzial ist in jedem vorhanden.

Überwinden Sie die Angst vor dem Ungewissen, und begeben Sie sich auf eine Zeitreise in die Zukunft. Öffnen Sie die Tür, und lernen Sie die vielen Varianten Ihres Ichs kennen. Finden Sie heraus, welche inneren Schätze noch im Verborgenen liegen. Genauso wie es für Ihre Themen nicht nur einen Lösungsweg gibt, gibt es auch viele Varianten von Ihnen. Öffnen Sie Ihren Geist, ohne bereits entscheiden zu müssen, was gerade zu tun ist.

Schritt 6: Verbinden – nehmen Sie mit Ihrer Seele Kontakt auf

Um mit dieser Fülle aus Möglichkeiten nicht in einer Lähmung zu verharren, hilft es, die Fragestellung zu ändern: Fragen Sie eben nicht: „In welche Richtung will ich mein Leben lenken?“ sondern „Was ist der nächste Schritt im Sinne meiner seelischen Entwicklung?“ Dazu brauchen Sie den Zugang zu Ihrer Seele. Erst in Verbundenheit mit Ihrer Seele können Sie Ihr wahres Wesen wahrnehmen. Die Seele inkarniert in uns Menschen und gibt da- durch die Prägung, mit der wir Schöpfung ausdrücken – die Berufung. Um Ihre wahre Berufung zu finden, machen Sie sich folgende drei Komponenten bewusst:

Dichte der Seele

Wie Ihre Charakterzüge sind auch Ihre Seelen nicht gleich. Sie vereinen lichte Seelen und dichte Seelen. Lichte Seelen sind ganz feinschwingend und haben eher Mühe, auf der Erde zu existieren. Sie haben Sehnsucht zurückzugehen und kommen mit der harten Realität nicht klar. Dichte Seelen hingegen fühlen sich sehr wohl und zu Hause auf der Erde. Sie lieben die Natur und das Materielle. Beide Seelen sind Aus- druck des Göttlichen und wertungsfrei ein wichtiger Teil des Ichs. Wenn Sie

Ihre lichten und dichten Seelen wieder- finden und einordnen können, sind Sie Ihrer Berufung schon ein Stück näher gekommen. Sie haben eine Vorstellung von Ihrem individuellen Verhältnis zum Göttlichen und zum Materiellen.

Ausdrucksform

Die zweite Komponente betrifft die Form, also die Art und Weise Ihres see- lischen Ausdrucks. Finden Sie beispielsweise mit tiefer Meditation oder Resonanz heraus, bei welcher Ausdrucksform Ihr Herz höher schlägt und sich Ihre Gefühle ins Positive wenden. Ist Ihre Ausdrucksform eher der Helfer, der andere in der Ganzwerdung und Gesundung unterstützt, oder der Kämpfer, der für sich und andere, vor allem für Schwächere, einsteht? Oder vielleicht der Künstler, der Visionär, der Nährer, der Wandler …? Die Ausdrucksweise der Seelen ist unerschöpflich.

Lernaufgaben

Wenn Ihre Berufung das Projekt ist, für das Sie hier auf der Erde sind, dann gehören zu diesem auch Projektphasen und

Aufgaben – und zwar je nach Lebenspha- se unterschiedliche. Hinter diesen Lern- aufgaben, wie ich sie nenne, steht daher immer die Frage: Was möchte Ihre Seele lernen? Wissen Sie, wie sich Ihre Seele ausdrücken möchte und was Ihre aktuelle Lernaufgabe ist? Ist es genau das, wo- mit Sie sich gerade beschäftigen? Diese Ahnung von Ihren Aufgaben drückt sich auch immer in Sehnsucht aus. Suchen Sie daher genau nach Ihren Sehnsüchten. Sie weisen Ihnen den Weg.

Schritt 7: Fokussieren – richten Sie Ihre Energien aus

Der letzte Schritt dient dem Fokussieren. Wichtig ist es, den Blick nun von innen nach außen zu richten und das umzusetzen, was Ihnen im inneren Entwicklungsprozess begegnet ist. Zur Umsetzung gehört auch ein Ziel: Wenn Sie am Bahnhof in ein Taxi steigen und dem Fahrer nur sagen „Weg von hier“, wird er Sie kaum ans Ziel bringen können. Fokussieren Sie sich daher auf das, was Sie wollen und
– machen es wahr. Verwenden Sie Ihre er- starkte Energie aus dem Lebensfluss und richten Sie sie auf Ihr Ziel.

Wenn Sie jetzt sagen „Wie merke ich, dass ich auf meinem Seelenweg bin, dass ich die richtige Richtung einschlage?“ Fragen Sie Ihre Seele. Definieren Sie Ihre Ziele auf einer übergeordneten Ebene und zwar dort, wo Ihre Seele hin will und Ihr Herz zu springen beginnt. Wenn Sie Zufriedenheit und Frieden bei der Vorstellung Ihres Ziels verspüren, sind Sie auf dem richtigen Weg. Entwickeln Sie daraus einen Fixstern, eventuell in Form eines Leitsatzes, der Ihnen stets Orientierung gibt.

Auf dem richtigen Weg zum wahren Ich

Auf diesem Weg – auf IHREM WEG – werden Sie innere Ruhe empfinden. Denn die tiefe Sehnsucht nach Seelenerfüllung ist gestillt, und Sie haben einen Kompass, der Sie durchs irdische Leben führt: Ihre Lebensaufgabe. Das Überleben in der Alltagstrance wird dem Ausdruck der Lebendigkeit weichen. Aus dieser Energie heraus können Sie Ihren weiteren Lebensweg angehen. Bleiben Sie nicht stehen! Sie sind auf dem besten Weg zu Ihrem wahren Wesen.